»Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.«
Friedrich von Schiller
Liebe Leser:innen,
Spielen gehört zum Wesen der Kindheit. Und doch gerät es in einer Zeit voller Bildungsansprüche, Zeitdruck und gesellschaftlicher Veränderungen immer wieder in die Rechtfertigungsfalle. Dabei ist Spiel weit mehr als eine angenehme Beschäftigung zwischen den »eigentlichen« Lernmomenten. Im Spiel erschließen Kinder sich die Welt, erproben Beziehungen, verarbeiten Erfahrungen und entwickeln Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Spiel ist Begegnung, Ausdruck und Entwicklung zugleich.
Für die vorliegende Ausgabe baten wir Autor:innen, den Blick auf das Spiel neu zu schärfen. Eine von ihnen ist die Filmemacherin Gerburg Fuchs. Sie erinnert uns daran, dass Spiel Räume schafft, in denen Menschen miteinander in Verbindung treten, Unterschiede aushalten und gemeinsam Neues gestalten können. Die Pädagogin Barbara Bach ergänzt diese Perspektive anhand eindrücklicher Szenen aus dem Kita-Alltag und zeigt, dass freies Spiel eine wahre Superkraft der kindlichen Entwicklung ist. Gundula Göbel wiederum lenkt den Fokus auf die bindungsstärkende Kraft gemeinsamen Spielens.
Dass Spiel nicht immer harmonisch, leise oder konfliktfrei sein muss, verdeutlicht Charlotte Ender. Sie plädiert für einen professionellen Umgang mit aggressiven Spielthemen, während Michael Fink danach fragt, wie es um das Freispiel in den Einrichtungen tatsächlich bestellt ist, und mit seinem Check-up zu einer ehrlichen Standortbestimmung einlädt. Und nicht zuletzt trafen wir die Autorin und Expertin für Frühpädagogik Margit Franz in ihrem Zuhause im hessischen Darmstadt. Im Gespräch mit ihr zeigt sich der Kern guter Pädagogik: Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen mit Interesse, Mitgefühl und Wertschätzung begegnen. Vielleicht ist genau das die wichtigste Voraussetzung für gelingendes Spiel – das Gefühl, wahrgenommen zu werden.
Diese Ausgabe will ermutigen, dem Spiel seinen Platz zu geben: als Lernform, als Beziehungsraum und als Ausdruck kindlicher Selbstbildung. Denn wo Kinder spielen dürfen, wachsen nicht nur ihre Fähigkeiten. Dort entstehen Kreativität, Gemeinschaft und die Zuversicht, die Welt aktiv mitzugestalten. In diesem Sinne: Nehmen wir das Spiel ernst – und spielen wir mit.
Ihr Redaktionsteam von Betrifft KINDER



